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Schären nicht Reiseziel, sondern Arbeitsschritt
Laien und auch Fachleute kommen aus dem
Staunen nicht heraus in Loccums neuem Web- und Textilmuseum
Eröffnung am 31. Mai 2003
Nicht die Schären sind es - der schwedischen Küste vorgelagerte
kleine Inseln
- die Horst Sieben meint, sondern erspricht vom Schären:
dem Aufziehen der
Kettfäden in der Weberei. Wie das vor sich geht - und noch
vieles unvorstellbar
kompliziert Erscheinende mehr -, ist vom nächsten Wochenende
an im
Web- und Textilmuseum Loccum zu sehen.
Dort, im einstigen militärischen Depot „Steinlager",
haben sich Horst und Doris Sieben jetzt endlich ihren Lebenstraum
erfüllen können. Das Ergebnis
jahrzehntelanger Sammelleidenschaft wird in einer Vielfalt präsentiert,
die selbst Fachleute staunen lässt. Eigentlich hatte es dieses
weit und breit einzigartige Museum schon vor fünf Jahren
in Leese geben sollen. Doch 14 Tage vor der Eröffnung brannte
das Gebäude nieder.
Horst Sieben erzählt: „Wir hatten alle elektrischen
Leitungen erneuert - bis
auf ein Kabel auf dem Dachboden..."„Wir waren nahe
daran, aufzugeben",
erinnert sich seine Frau. Aber diese Phase ist längst überwunden.
Das Museum gehört mit zu der staatl. anerkannten Blindenwerrkstätte
die vor den Toren Loccums liegt.
Und dort, an der Straße nach Seelenfeld und Minden, ist
auf einem drei Hektar großen Gelände in zwölf
Räumen mit rund 300 Quadratmetern Fläche jenes Museum
entstanden, das wie an einem Faden durch die Jahrhunderte führt.
Auch kleines Cafe ist dabei.
Besucherinnen und Besucher tun gut daran, nicht auf eigene Faust
loszuziehen, sondern eine Führung in Anspruch zu nehmen.
Der 69-jährige Webmeister und seine Frau schildern und demonstrieren
mit Begeisterung und Sachverstand den Weg von der Flachsfaser
bis zum fertigen Leinenstoff beziehungsweise von der Schaf- oder
Baumwolle bis zum gewünschten Produkt. Worauf der gebürtige
Mönchengladbacher besonders stolz ist: „Bei uns funktioniert
alles!". Das gut für ein zierliches „doppeltes"
Spinnrad aus dem 19. Jahrhundert ebenso wie für eine Klopf-Haspel,
eine mit Ohren betäubendem Lärm arbeitende Webmaschine
aus China, einen tschechischen „Luftwebstuhl"
gleich nebenan, für raffinierte Bandwebmaschinen, eine Ring-Zwirn-Effektmaschine
oder auch einen von Lochkartengesteuerten Webstuhl samt Schlagkartenmaschine,
wie ihn einst Joseph-Marie Jacquard ersann, um anstrengende Kinderarbeit
beim Weben der inzwischen nach ihm benannten, besonders kunstvollen
Muster überflüssig zu machen.
Mit Erfindungsreichtum und der Geduld eines Schachspielers hat
Horst Sieben sogar eine aus dem Schrott gerettete Bandwebmaschine
wieder gangbar gemacht.
Und wenn mal ein Messer oder eine Schere geschärft werden
muss, klettert er auf den Sitz eines in Holland entdeckten und
mittlerweile aufgefrischten Scherenschleiferwagen.
Ungewöhnlicher Blickfang am Eingang. Weitere Besonderheiten
gibt es zu guter Letzt im Untergeschoss zu entdecken:
Die liebevoll ausgestattete Wohnung einer Weberfamilie in längst
vergangener Zeit. Bottichwaschmaschine und ein Wäschestampfer
gehören ebenso dazu wie der unvergessene Kohleherd. Und sogar
eine Kartoffelschälmaschine mit Handkurbel lässt sich
dort bestaunen.
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